Esskastanien-Allee an der Hohe Luft in Kleve

Eine Gruppe Menschen spaziert mit zwei Hunden im Spätsommer durch die Esskastanienallee
Foto: Thomas Velten
Nordrhein-Westfalen
Lieblingsallee von Thomas Velten, Kleve:

Meine Lieblingsallee befindet sich in Kleve/NRW. Wenn man von Kleve in westlicher Richtung zur niederändischen Grenze fährt, liegt die ehrwürdige alte Allee zwischen der Nimweger Straße (K15) und der Grenzallee. In der Nähe befindet sich der Donsbrügger Soldatenfriedhof sowie die Gastronomiebetriebe "Haus Ida" und das "Waldschlößchen".

Die Kastanienallee begrenzt im Süden den Wald des Neuen Tiergartens, nach Westen blickt man auf ein freies hügeliges Feld und eine Wiesenfläche. Diese werden von Heckenreihen, Baumbestand und Waldrändern auf der gegenüberliegenden Seite begrenzt. Die Allee ist ungefähr 300 Meter lang, das Alter beträgt nach Schätzungen der Unteren Landschaftsbehörde ca. 200 Jahre. Im Klever Umfeld kenne ich noch eine Esskastanien-Schlucht am Monreberg bei Kalkar, ein wunderbares Esskastaniental am Wylerberg vor Nijmegen (NL), die Königsallee in Kleve und die hier angesprochene Esskastanienallee.

Es ist meine Lieblingsallee, weil sie einen Hauch von Italien am Niederrhein schafft. Die laubabwerfende Kastanie bringt Mittelmeerflair nach Deutschland. Die Kastanie erreicht eine stattliche Höhe von 20 bis 40 m und gilt als sehr widerstandsfähig.

Esskastanien
Foto: Thomas Velten

Mit meinem Hund (leider verstorben) bin ich seit Jahren gerne über die Klever Höhen unterwegs. Im Herbst geht es an der Hohen Luft besonders gesellig zu. Viele Generationen haben schon ihre Freude sowohl an der Allee als auch am Sammeln von Esskastanien gehabt. Die Kinder - meist mit dem Fahrrad von der Stadt herausgekommen - sammeln die Früchte in Tüten und Taschen. Jeder hat seine Mühe mit dem Öffnen der stacheligen Schale. Einige Kinder mühen sich nur für den Augenblick und ziehen sofort die bittere Haut ab. Ein Abend im Winter mit Freunden bei heißen Maronen und einem Glas Wein ist eine schöne Vorstellung.
Von der Kastanienallee aus gibt es eine schöne Ansicht auf die durch die Eiszeit geformte hügelige Landschaft am nordwestlichen Kleve. Es ist ein Genuss für alle Sinne.

Der Klever Forst hat angekündigt, diese seltene und erhaltenswürdige Esskastanienallee wieder in einen gepflegteren Zustand zu bringen. Lücken sollten nachgepflanzt werden, damit sie für nachfolgende Generationen erhalten bleibt.

Besonderheiten der Allee

Esskastanienallee im Winter
Foto: Thomas Velten
Johann Moritz von Nassau-Siegen legte zwei große Parkareale an, durch die er die Stadt Kleve umrahmte: Den "Alten Tiergarten" im Südosten und den "Neuen Tiergarten" im Nordwesten - heute als Gartendenkmal von europäischem Rang unter Denkmalschutz stehend. Beide gestaltete er durch ein umfassendes Alleensystem mit Sichtpunkten und barocken Stilelementen. Seine herausragende Gartenkunst in Kleve wurde Vorbild in der Geschichte der europäischen Gartenkunst und strahlte nach Berlin und Versailles aus. Die sog. "Alte Bahn", die auf die Kastanienallee stößt, ist eine alte Römerstraße und führte von Kalkar über Kleve bis Nijmegen. Das gesamte anschließende Waldgebiet ist der Reichswald, früher das größte zusammenhängende Waldgebiet in Nordrhein-Westfalen. Es erstreckt sich von Kleve bis Nimwegen und wurde auch Kettelwald genannt. Kaiser Otto der III. soll hier – nahe Kloster Graefenthal – geboren sein.

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